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Gedenkstein WW2

Neuer Gedenkstein der Völkerverständigung

Segnung eines Gedenksteins in Unterholzen durch Pater Dominik Daschner OPraem – Erinnerung an einen Flugzeugabsturz gegen Ende des II. Weltkrieges – Zeitzeugen und Angehörige der Opfer berichten – Militärisches Zeremoniell mit Vertretern der US-Streitkräfte, Patenkompanie und Ortsvereinen

Am 6.Juli 2013 fand in Unterholzen unter großer Beteiligung der Bevölkerung und unter Mitwirkung von US-Bürgern die Segnung eines Gedenksteins statt, der an den Absturz eines B-24-Bombers („Liberator“) der US-Luftwaffe am 16. Februar 1945 auf dem Grundstück Unterholzen 1 erinnern soll und in den die Namen von sieben Verunglückten eingemeißelt sind. Die Idee für den Stein des Gedenkens stammt von Alfons Deser, der etwa eine Woche nach dem Unglück selbst an der Stelle vorbeigekommen war. Als er vor ein paar Jahren hörte, dass in dem Anwesen Unterholzen 1 eine amerikanische Familie der US-Airforce untergekommen ist, begann mit ihr, der Gemeinde und seinem Bruder Leopold die Phase der Realisierung und so steht seit Ende 2012 an der Grundstückseinfahrt ein neues Kleinod von Haselbach.

Die Blaskapelle „De echtn Hoslbecka“ eröffnete die durch den Heimat- und Wanderverein organisierte eindrucksvolle Zeremonie musikalisch. Neben den Fahnenabordnungen der Ortsvereine trugen Soldaten der US-Streitkräfte aus Hohenfels unter der Führung von Kommandeur Lieutenant Colonel John Strange und seinem Command Sergeant Major Kenneth McCoy sowie eine Abordnung der Patenkompanie unter der Leitung von Oberleutnant Wohlmuth zum farbenprächtigen Rahmen des Ereignisses bei. Nach der Flaggenparade eröffnete Erster Bürgermeister Johann Sykora vor etwa 300 Teilnehmern seine Rede mit den Worten: „Wo sich vor 68 Jahren an dieser Stelle Feinde gegenüberstanden, stehen heute Freunde zweier Nationen, die sich einander die Hand reichen“. Er konnte dann einen Kreis Ehrengäste begrüßen, die sich aus den Geistlichen, örtlichen Zeitzeugen und Kriegsteilnehmern, Angehörigen der Besatzung des Bombers, Historikern, dem Erbauer des Gedenksteins und den Grundstückseigentümern zusammensetzte. Aber auch Gerry Brown, der Sohn eines Überlebenden, war zu diesem Abend extra angereist.

Altbürgermeister und Ehrenbürger Josef Schmid schilderte im Namen der nur noch wenigen Zeitzeugen den Hergang und die Wahrnehmungen des Unglücksfalls in eindrucksvollen Worten. So stürzte das brennende Flugzeug nicht wie ein Stein vom Himmel sondern wurde vom Piloten an Höhe verlierend in Vollkreisen über ein nahezu unbewohntes Gelände gesteuert. Es gab vor dem Aufprall Fallschirmabsprünge, Besatzungsmitglieder stürzten sich aus der Maschine oder verbrannten in ihr. Noch Stunden nach dem Absturz konnte man sich wegen Detonationen von Munition und Treibstoff nicht nähern. Die Toten kamen später zunächst in ein Massengrab auf dem alten Friedhof in Haselbach und wurden später exhumiert und überführt.

Frau Tracy Popey bedankte sich in bemerkenswert gutem Deutsch über die überwältigende Teilnahme an der Zeremonie. „Wir sind die einzigen Amerikaner, die sich im Bayerischen Wald ein Grundstück gekauft haben, auf dem ein US-Bomer abgestürzt ist“, so Tracy Popey stolz, die bis vor kurzem im Ramstein Ärztin im Rang eines Oberst war. Bei der Familie Deser bedankte sie sich für den würdigen Gedenkstein. Frau Eva Geisperger-Kammermeier aus Bogen erzählte in zwei Sprachen, wie sie und ihr Mann das Gastehepaar für die junge US-Medizinstudentin Tracy geworden waren. Nach der Hochzeit 1987 in der Regensburger Wurstkuchl habe das Ehepaar Popey stets Urlaub in St. Englmar gemacht und seien so auf die Idee gekommen, ein eigenes Urlaubsdomizil im Vorderen Bayerischen Wald zu erwerben. Das Schicksal wollte es, dass es das Grundstück Unterholzen 1 wurde.

Der mittlerweile in Pension lebende LTC Edward Sherwood und Neffe des Navigators in der Unglücksmaschine Leslie P. Turner trug die Gedanken der Angehörigen der Opfer vor, die noch heute in engem Kontakt stehen. Seit 2008 werden verstärkt Nachforschungen über das Unglück angestellt und er dankte speziell den Zeitzeugen für ihren Beitrag. „Die Bayern sind die Besten“, so Edward Scherwood anerkennenswert. Als sichtbares Zeichen überreichte er dem ersten Bürgermeister eine Urkunde über deutsch-amerikanische Patenschaft sowie einen Wandteppich, auf dessen Vorderseite die Bilder der Verunglückten und auf der Rückseite ein Puzzle von Bildern aus dem Leben der Toten und aktuelle Fotos der Angehörigen sind. Die Zeitzeugen durften sich anschließend auf dem Teppich mit ihrer Unterschrift verewigen.

Pater Dominik Daschner OPraem begann seine Segnung mit einer Rückbesinnung, wie aus ehemals Feinden nunmehr Freunde geworden seien. Nachdem er den Gedenkstein und die Anwesenden mit Weihwasser gesegnet hatte, betonte er, dass der Ort einerseits an Schmerz und Leid erinnere, andererseits aber als ein Symbol für Frieden und Freiheit stehen solle. Der Prediger der US-Army Roy Walker bat ebenfalls darum, das Mahnmal unter dem Gesichtspunkt der überwundenen Vergangenheit aber auch als Chance einer guten Zukunft zu betrachten. Nachdem „De echtn Hoslbecka“ das Lied vom Guten Kameraden intoniert hatten, folgten noch die beiden Nationalhymnen und das Bayernlied. Dazwischen trug Tracy Popey mit ihrer Klarinette eine bewegende Gedenkmelodie vor.

Den Abschluss des offiziellen Teil bildete eine wirklich sehr seltene Auszeichnung für die Gemeinde Haselbach. Erster Bürgermeister Hans Sykora erhielt aus der Hand des US-Flaggenkommandos nach einer speziellen Zeremonie die „Stars and Stripes“-Fahne als Zeichen der Verbundenheit der amerikanischen mit der deutschen Bevölkerung überreicht. Er selbst bedankte sich beim Komandeur aus Hohenfels sowie der Familie Popey mit dem Haselbacher „Gedenkkrügerl“. Die Teilnehmer an der Segnung waren dann eingeladen, sich bei Getränken, einer Stärkung und musikalischer Unterhaltung über die Vorgänge des 16. Februar 1945, die Entwicklung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses und unter zivilen und militärischen Freunden über weitere Themen von Interesse auszutauschen, was von beiden Seiten ohne Scheu von Sprachbarrieren noch ausgiebig bis in die Nacht genutzt wurde.


                   


Berichte des Straubinger Tagblatt vom 06 Juli 2013 und 12 Juli 2013
 

68 Jahre nach Kriegsende: Teil 1
Versöhnung über den Gräbern: Teil 2

 
 
 

 


Quelle: Autor Helmut Erwert, Straubinger Tagblatt, 06.07.2013 und 12.07. 2013
 

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